Die Weltkriege

von Rainer Brandt

a) Der erste Weltkrieg

Die Kriegserklärung erfolgte bekanntlich am 31. Juli 1914 im Deutschen Reich. Selbstverständlich waren die Wege der Kommunikation dieser Zeit andere und so wurde die Nachricht am späten Abend des Tages durch einen radfahrenden Boten aus Bremervörde dem Gemeindevorsteher Metscher überbracht. Die Augustendorfer Bürger erfuhren dann am nächsten Morgen durch Laufzettel von dieser beunruhigenden Nachricht und am gleichen Tage um 19.00 Uhr von der allgemeinen Mobilmachung. Selbst wenn diese Entwicklung nicht unerwartet kam, so wirkte sie doch geradezu lähmend und alle Arbeit im Dorf ruhte sofort. Die Augustendorfer sammelten sich in kleineren und größeren Gruppen auf dem Dorfwege am Kanal. Überall ernste Mienen, kein Jubel; die bange Frage von Frauen und Müttern: „Wer muß fort? Wann muß der und der in den Krieg?“ Der Sonnabendabend - Treffpunkt der jungen Leute an der Schulbrücke, der sogenannte „Klütenmarkt“ war an diesem 1. August sehr zahlreich besucht und dort war als Privileg der Jugend die Stimmung eher sorglos; gelegentlich sogar begeistert. Es war Mitternacht im Dorf geworden, als plötzlich von Gnarrenburg herüber Glockengeläut und Trompetensignale zu hören waren. Ein Feuer fiel als Ursache aus und so fragte man auf dem Gnarrenburger Telegraphenamt. „Es ist das Sturmgeläut des Krieges und die Trompeten blasen zum Sammeln!“, lautete die Antwort.

Am kommenden Morgen (Sonntag, 2. August) vermochte die Gnarrenburger Kirche die Menschenmenge kaum aufzunehmen und die Gemeinde sang: „Ein feste Burg ist unser Gott!“.

In den nächsten Tagen wurden die jungen Männer aus vielen Augustendorfer Familien zum Kriegsdienst einberufen; wenig später folgten dann die älteren Familienväter und die Frauen auf den Höfen mußten deren Stelle mit einnehmen. Viel Arbeit, viel Sorge. Aber auch die älteren Schulkinder mußten mehr Arbeit bei dem Ernteinsatz leisten, da die Mobilmachung mitten in die Erntezeit fiel und in den ersten Tagen bereits ca. 30 Männer aus dem Dorf einberufen wurden.
Seitenweise ist die Augustendorfer Schulchronik von „Eiertagen“, „Reichwollwoche“ und „Kriegsanleihen“ gefüllt. Dabei nimmt der sogenannte „Eiserne Krieger“ einen besonderen Stellenwert ein. Der „Eiserne Krieger“ war aus Holz und stellte den Ritter Hinrich von Borch, „de Isern Hinnerk“, dar. Um auch der Bevölkerung Gelegenheit zur sogenannten „Nagelung“ zu geben, wurde die Figur am Erntedankfest 1916 in Gnarrenburg bei der Kirche aufgestellt. Für Augustendorf war ein Betrag von 17,- Mark zusammengekommen und dafür durfte der Klassenerste Albert Schröder 3 „goldene“ und 2 „silberne“ Nägel vernageln.

Während dieser zweiten Phase des Weltkrieges kamen mehrfach Stadtkinder in ländlichen Familien, in Augustendorf erklärten sich dazu (1916) 19 Familien zur Aufnahme bereit. Die Kinder kamen aus Hannover’s Stadtteil Lindau und es entstanden etliche Freundschaften, die sich durch die zweite Aktion 1918 noch vertiefte!

Immer wieder kamen während dieser Kriegsjahre von fernen Fronten schlimme Nachrichten in die Familien. Verletzt, vermißt, gefallen hieß es lakonisch, wenn Männer und Familienväter von den Kriegsauswirkungen betroffen wurden und mit denen natürlich die Daheimgebliebenen. Die Liste der betroffenen Soldaten wurde mit jeder Woche länger und länger. Dann nahte das Kriegsende und die Schulchronik lautet:
„Unser Krieger kehrten nach und nach, einzeln, manchmal bei Nacht und Nebel, ohne Sang und Klang, in die Heimat zurück. Hier und da, meist an den Bahnhöfen und am Eingang der Dörfer, hatte man ihnen Ehrenpforten errichtet – Die Gefangenen kamen erst viel später.“ Und etliche eben leider garnicht!

b) Turbulente Jahrzehnte

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges folgten welt- und nationalgeschichtlich turbulente Jahrzehnte, die sich natürlich auch im ansonsten beschaulichen Augustendorf auswirkten.
Diese Aera begann jedoch mit einer positiven Entwicklung, denn im Frühjahr 1919 beschloß die Gemeindeversammlung den Bau der Straße von Langenhausen bis zum östlichen Dorfende auf einer Länge von 5 km. Mit den Vorarbeiten wurde umgehend begonnen und dann mit den Ausschachtungsarbeiten und der Sandabfuhr zum „Koffern“ fortgesetzt. Der Sand wurde vom Huvenhoopsberg und aus Langenhausen geholt und mit Loren auf einer Feldbahn zur Wanderbaustelle befördert. Mit Jahresende 1919 waren die Ausschachtungsarbeiten nahezu beendet und die Klinker wurden aus Oldenburg bis Gnarrenburg per Eisenbahn und die Reststrecke mit Schiffen bis Augustendorf befördert. Der Straßenbau wurde im September 1921 beendet und von den Gesamtkosten (1 Million Mark) mußte die Hälfte von der Gemeinde aufgebracht werden. Eine gewaltige Summe, die jedoch durch die fortschreitende Geldentwertung bald relativiert wurde.

Mit der Fertigstellung der Straße ging auch ein besonderer Abschnitt zu Ende, denn die Torfschiffe wurden – bis auf zwei – abgeschafft und der Torftransport nach Bremervörde zu den Torfewern hörte ganz auf. Torf wurde ausschließlich noch per Fuhrwerk zum Gnarrenburger Bahnhof transportiert. So endete auch die Bedeutung des Augustendorfer Kanals als Transportweg.

Am 27. März 1923 teilte der Kanalvogt Schlüter mit: „Für den Augustendorfer Kanal sind 1922 keine Einnahmen und keine Ausgaben gewesen; die Kanalgelderhebung ist eingestellt worden.“ Und am 23. April 1926 stellte Landrat Grubitz in Bremervörde fest: „Die Schiffahrt auf dem Augustendorfer Kanal ist, weil die Unterhaltungskosten zu hoch waren und außerdem jetzt neben dem Kanal eine gepflasterte Straße vorhanden ist, eingestellt worden. Der Kanal wird nur noch als Entwässerungsgraben genutzt.“

Während der Inflationszeit ging es nach der Schilderung in der Augustendorfer Schulchronik (Abschr. S. 69 ff) den Augustendorfer Landwirten verhältnismäßig gut, da in den umliegenden Städten wieder verstärkt mit Torf geheizt wurde und sich so wiederum eine Absatzmöglichkeiten eröffnete. Auch für ihr Vieh erhielten die Landwirte einen relativ hohen Preis im Verkaufsfalle. Das änderte sich durch die Währungsreform in Deutschland mit einem Schlage. Die feste Währung zog einen allgemeinen Geldmangel nach sich, der die Viehpreise dramatisch sinken ließ und aus dem Kohlemangel wurde ein Überfluß mit einer spürbaren Verbesserung der Versorgung. Der Torf wurde billig und das Torfgraben lohnte kaum die Arbeit. Dennoch wurde im Dorf viel Torf gegraben, da wegen der hohen Abgaben und der hohen Verbrauchsartikelpreise die kleinste Chance zum Gelderwerb genutzt wurde. In den Jahren 1927/28 spricht alles von einer allgemeinen wirtschaftlichen Notlage „auch in der vor dem Kriege schon gutsituierten Gemeinde Augustendorf. Der Gemeindesäckel zeigt immer Ebbe an!“
Aber die privaten Geldbörsen und so las man fast täglich in der Bremervörder Zeitung Anzeigen über Moorstellenverkäufe. Auch in Augustendorfer sind in diesen Jahren einige Besitzänderungen von Höfen und Gebäuden zu verzeichnen.
Bei den wirtschaftlichen Problemen kamen dann noch verstärkt Diebstähle durch auswärtige „Besucher“ hinzu „deren Spezialität Hühner und Enten“ waren. Herbst und Winter 1931 war es wohl besonders schlimm im Dorf und als eine Woche vor Weihnachten Hinrich Schröder drei Diebe auf seinem Hof überraschte, griffen die Augustendorfer Jäger zu ihren Schrotflinten. Es muß wohl ein ziemliches Geballer im Dunkel der Nacht gewesen sein, bei dem die Diebe aber unerkannt entkamen.

Neben diesen „menschlichen“ Vorfällen gab es immer wieder natürliche Katastrophen, die Zeitung und Schulchronik füllten. So brannten am 21. März 1928 große Heide-und Waldflächen im Bereich des Huvenhoopsees in der Augustendorfer Gemarkung nieder. Mehrere Anwesen wurden durch diese Feuerstürme gefährdet und erst massiver Feuerwehreinsatz – sogar die Motorspritze aus Bremervörde – konnte Schlimmeres verhindert werden.

Ähnliches wiederholte sich zehn Jahre später am 12. Mai 1938, als es wiederum im Dorf hieß: „Der Huvenhoop brennt!“ Es sollte 2 Tage dauern, bis mit vereinten Kräften das mächtige Feuer eingedämmt und schließlich gelöscht werden konnte. Lange wurde im Dorf von diesem Brand erzählt.
Feuer und Wasser vertragen sich bekanntlich nur gegensätzlich und doch gehören beide zum dorfgeschichtlichen Kapitel der Naturkatastrophen. So berichtet die Schulchronik (Abschr. Seite 101) von dem Hochwasser im Jahre 1935:
„ In der Nacht vom 26. zum 27. Juni 1935 zogen schwere Gewitter herauf. Vorangegangen waren heiße Tage bis zu 31 Grad im Schatten. Das drängt nach Entspannung. Die Nacht vom 26. zum 27. Juni sollte sie bringen. ½ 2 Uhr steht der Himmel in Flammen. In den Häusern flammen die alten Petroleumlampen auf. Schlag folgt auf Schlag. Ja, durch die Luft geht nur noch ein einziges Rollen und Grollen. Klein fühlt sich der Mensch zwischen diesen Naturgewalten. Zwei Stunden halten die Gewitter an. Jede Wolke leuchtet.100 mm Regen gehen in 2 Stunden nieder. Vom Klenkenholz strömt durch die vom Arbeitsdienst angelegten Gräben viel, viel Wasser in den Augustendorfer Kanal, der die Wassermassen nicht fassen kann. Gegen 3 Uhr nachts tritt im unteren Ortsteil der Kanal bereits über die Ufer.
Die Bewohner der niedrig gelegenen Häuser: Geestmann, Tischler; Geestmann, Schumacher; Schumacher, Gastwirt; Janning, Chausseewärter; haben das Wasser im Hause und müssen nachts noch Möbel aufbocken und Vieh retten. Auf den abgetorften Weiden links und rechts der Straße steht das Jungvieh tief im Wasser. Es muß von beherzten Leuten gerettet werden.
Morgens! Ein ungewohntes Bild! Aus den Grenzgräben brüllt das Wasser zum Kanal, der eine beängstigende Höhe erreicht hat. Die Brücken im unteren Ortsteil sind vom Wasser überflutet, ebenfalls die Straße gegenüber der Gastwirtschaft. – Am schlimmsten sieht es bei Tischler Geestmann aus. Wasser im ganzen Haus, das bis gegen Mittag unaufhaltsam steigt! – Nachmittags erscheint der stellv. Landrat, um sich von dem angerichteten Schaden zu überzeugen. Er stellt Hilfe in Aussicht.
Der Regen hält an. Hoffentlich richtet er auf dem Felde keinen Schaden an. Auf dem Felde hatte sich alles unter der großen Hitze und genügender Feuchtigkeit erholt, so daß von den anfangs großen Nachtfrostschäden weniger mehr zu spüren war, außer auf den Feldern, die der Frost gänzlich zerstört hatte. Wir hoffen auf gute Ernten. Möge der Himmel uns seinen Segen geben!

Wasserflut in Augustendorf

Augustendorf. Über Augustendorf ging ein schweres Gewitter nieder, das von wolkenbruchartigen Regen begleitet war. Der Kanal konnte die Wassermassen nicht fassen, zumal ihm aus den durch den Arbeitsdienst entwässerten Mooren gewaltige Wassermengen zugeführt wurden. Noch in der Nacht mußten einige niedrig gelegene Häuser geräumt, bzw. Möbel und Vieh in Sicherheit gebracht werden. Der Kanal glichen einem wilden Strom. Die Straße im unteren Ortsteil war teilweise überflutet. Wiesen und Weiden rechts und links der Straße glichen einem See. Ältere Einwohner können sich nicht mehr entsinnen solche Wasserflut mitgemacht zu haben.
(Ausschnitt aus der Bremervörder Zeitung vom 28.6.1935)

c) Die Jahrhundertfeier

Das Jahr 1928 war ein Besonderes in der Dorfgeschichte, denn es beinhaltete das 100-jährige Jubiläum und die Einweihung des Ehrenmales.

Augustendorf hatte 364 Einwohner in 54 Wohnhäusern mit zwei Telefonen (Johann Ehlers, Gemeindevorsteher, Tel. Gnarrenburg 58; Johann Geffken, Landwirte und Viehagent, Tel. Gnarrenburg 53). Es gab einen landwirtschaftlichen Ein- und Verkaufsverein, eine Stierhaltungsgenossenschaft, die „berühmte“ Entwässerungs-genossenschaft, einen Kriegerverein, Männergesangverein, Turnverein, Niedersachsenverein und den Schützenverein Augustendorf. Und es gab ein großes Interesse an der Erstellung eines Ehrenmales zum Gedenken an die Gefallenen des Weltkrieges und so tauchte Ende Januar 1928 der erste Gedanke an eine Realisierung auf. Ein Ausschuß wurde gewählt, der sich mit dem Bildhauer und Steinmetz Adolf Krützfeld in Bremervörde in Verbindung setzte. Dieser präsentierte im Februar auf einer Gemeindeversammlung die ersten Entwürfe und kalkulierte auch die beachtlichen Kosten von 1000 – 1200 RM. Aber man wagte sich an dieses Projekt auf dem Schulgrundstück heran und am 10. Juni 1928 wurde das Denkmal unter großer Anteilnahme der Bevölkerung sowie vieler auswärtiger Gäste eingeweiht.

Um 16.00 Uhr begann die Feierstunde mit einem Prolog von Fräulein Tine Katt und einem Lied des Augustendorfer Gesangvereins. Lehrer Bastein hielt die Festrede mit markigen Worten, ehe dann das Ehrenmal enthüllt wurde und Pastor Himstedt aus Gnarrenburg die Weihrede auf das Ehrenmal hielt. Gemeindevorsteher Ehlers übernahm das Ehrenmal mit einem Dank an alle Beteiligten für die Gemeinde Augustendorf. Nachdem eine Urkunde in den Bau eingefügt worden war, beendete die Kranzniederlegung diese würdige Einweihungsfeier.

Im gleichen Jahre (1928) jährte sich die Gründung Augustendorf zum hundertsten Male und ab Januar des Jahres wurden die ersten Besprechungen über die Jahrhundertfeier durchgeführt. Einigkeit herrscht im Dorf darüber, daß die Feier am 17. Juni und in einem würdigen Rahmen stattfinden soll. Wochenlang wird Theater und Gesang geübt, sowie an den Festwagen für den großen Festumzug gearbeitet. Der Festausschuß (Gemeindevorsteher Johann Ehlers, Hinrich Metscher, Hinrich Schröder, Hinrich Meyer und Lehrer Bastein) hatten folgendes Programm zur Feier zusammengestellt.
(Fotos / Zeitungsausschnitt)

Und am 11. Juni 1928 trug Landrat Grubitz seinen Teil durch folgende Anzeige in der Bremervörder Zeitung zum Dorfjubiläum bei:
„Aus Anlaß der Jahrhundertfeier der Gemeinde Augustendorf wird die für den Kraftwagenverkehr gesperrte Moorlandstraße von Bremervörde nach Gnarrenburg nach Augustendorf am 17. und 18. Juni 1928 für Personenkraftwagen im Höchstgewicht von 2000 Kilo unter der Bedingung freigegeben, daß die Höchstgeschwindigkeit 30 Kilometer nicht übersteigt“

Am 16. Juni wurde überall im Dorf mühsam erstellte Ehrenpforten über die Dorfstraße errichtet und boten auf 3 km ein herrliches Bild. Dann kam endlich der große Tag. Obwohl es Bindfäden regnete strömten ungeahnte Menschenmassen ins hundertjährige Augustendorf. Und um 14 Uhr begann die Feier mit zwei Liedern des Gesangvereins und einem Gedicht, das Lehrer Bastein geschrieben hatte und die Schülerin Tine Schröder vortrug. Landrat Grubitz sprach für den Landkreis Bremervörde, Pastor Himstedt hielt die Gedenkrede und Gemeindevorsteher Ehlers dankte allen Mitwirkenden. Dann setzt sich der lange, kunterbunte Festumzug in Bewegung um erstmals am Ehrenmal zu halten (Hermann Schröder sprach einen Weihespruch; Johann Dammann pflanzte eine Eiche) und dann wieder am Huvenhoopsee (der Gesangverein sang: „Alle Birken grünen in Moor und Heid!“) um dann zum Lokal von Jannings zurückzukehren. Das Tanzbein wurde geschwungen und um 19 Uhr wurde das Stücken „Ut ole Tiden“ aufgeführt, das Lehrer Peter Bastein verfaßt hatte. Lehrer Hoops hielt noch einen kurzen Vortrag über Augustendorfs Gründerzeit und die Theatergruppe spielte zum Schluß „Lütt Olleid“. Danach ging es dann zum gemütlichen Teil bei Tanz und Unterhaltung über.

„Jedenfalls war alles schön verlaufen“, hörte man noch lange im Dorf über die Hundertjahrfeier erzählen. Sicherlich zu Recht!

d) Besuch aus der Heimat

In den Jahrzehnten von 1840 bis 1880 sind nach entsprechenden Hochrechnungen 7 - 8 Millionen Deutsche nach Übersee ausgewandert um dort ihr Glück in einer besseren Zukunft zu suchen. Von Bremerhaven nach New York oder New Orleans war in der Regel der Weg für die Auswanderer aus unserer Region. So sind sicherlich auch etliche Augustendorfer mit dem Segelschiff in eine ungewisse Zukunft gesegelt. Der erste Auswanderer dürfte der erste Augustendorfer Lehrer namens Ehlers gewesen sein, der diesen Schritt um 1830 wagte. Leider ist im Kirchspiel Gnarrenburg keine Auswanderungsliste mehr vorhanden, sodaß die Namen nicht überliefert sind.

Auch später sind noch Einzelpersonen oder Familien ausgewandert und einige, wenige sind wieder in die alte Heimat zurückgekehrt.
So treffen 1936 Anna Metscher mit Tochter Meta und Sohn Friedrich ein um die Familie zu besuchen. Sie war im Jahre 1925 in der Absicht, nach Amerika gefahren, ihre dort lebenden fünf (!) Kinder zu besuchen. Dort muß ihr Aufenthalt und Nähe der Kinder derart gefallen haben, daß sie sich zum Verbleib in den USA entschloß. Ein halbes Jahr blieben sie in der alten Heimat zu Besuch und im September ging es wieder hinüber in die „Neue Welt".

e) Der zweite Weltkrieg

Das Kapitel in der Schulchronik beginnt zu Recht mit der schlimmen Prognose: „Gewitterwolken türmen sich am politischen Horizont.“ Die Rede ist vom Spätsommer 1939 und dem sich abzeichnenden zweiten Weltkrieg. Am 26. August 1939 erfolgte die Mobilmachung und in Augustendorf fuhr morgens um 2 Uhr ein Postauto mit Gehupe ins Dorf um in der Poststelle die ersten Gestellungsbefehle zuzustellen. Stolz schrieb der Lehrer Peter Bastein: „Ich erhalte als Erster meine Mobilmachungsorder“. Viele Stellungsbefehle werden folgen in den folgenden Tagen, Wochen, Monaten und Jahren. Nahezu Haus bei Haus, Familie bei Familie bangt bald mit den Augustendorfer Soldaten an den Fronten und nach Beginn des Krieges mit Rußland sind bald die ersten Gefallenen im Dorf zu beklagen. Leider waren es nicht die letzten und als der Krieg 1945 vorüber war, hatten die Familien 32 Gefallene zu beklagen. Und es sollte noch lange Zeit dauern, bis der letzte Kriegsgefangene aus Augustendorf wieder zurückkehren durfte.

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