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28.06.2020:   Wie die Torfstecher lebten (Eine Reportage)

Die,,Groode Döör" an der Giebelseite des alten Fachwerkhauses steht einladend offen. Der erste Blick in die Diele ist ein Blick ins Schwarze. Gemessen am gleißenden Licht, das die Sonne über dem Hof ausbreitet, bietet die alte Diele ein Kontrastprogramm, an das sich das Auge aber schnell gewöhnt. Das ist auch gut, weil es hier viel zu entdecken gibt. Mit allen Sinnen. Schon kneift es ein bisschen in der Nase. Das Fachwerkhaus auf dem Moorhof in Augustendorf war ein altes Rauchhaus. Aus seinen Wänden und Holzbalken strömt noch heute ein beißender Geruch.

Urlaubszeit, Reisezeit. So selbstverständlich ist das in Zeiten von Corona nicht mehr. Manch einer entscheidet sich lieber für Ferien vor der eigenen Haustür. Was nicht bedeuten muss, dass dies nicht auch spannend sein kann und neue Eindrücke bringt. Wer in der Region auf Entdeckungstour gehen möchte, dem eröffnen die Heimatmuseen wahre Zeitreisen.

Fritz Metscher ist der Reiseführer. Er kennt sich aus auf dem Moorhof. Er hat die Renovierung des alten Rauchhauses begleitet und 1988 den Verein ,,Historischer Moorhof Augustendorf – Heimatverein Gnarrenburg"mitgegründet. ,,Wir hatten uns zum Ziel gesetzt, das restaurierte Rauchhaus als Museum ehrenamtlich zu führen', erzählt Fritz Metscher. Der Verein will folgenden Generationen zeigen, wie Menschen um die Jahrhundertwende gelebt und gearbeitet haben". So ist der Hof eingerichtet- mit kleinen Stuben und Schlafbutzen, der Küche mit dem Herd, auf dem die Torfstücke zum Brennen lagern, und mit der großen Diele, auf der es an diesem warmen Tag herrlich kühl ist. Fritz Metscher deutet mit dem Zeigefinger nach oben: ,,Das Strohdach isoliert gut." Alles scheint so, als seien die Bewohner gerade nicht zu Hause. Sehr wahrscheinlich sind sie ins Moor gezogen. Mit ihren Holzschubkarren, deren lange und tief über dem Boden verlaufende Ladefläche genügend Platz für die gestochenen Soden bietet. Und zudem ausgerüstet mit den Stecheisen, die auf der Diele an der Wand hängen. Torfstechen, Stücke schneiden, stuken, was stapeln bedeutet, und schließlich ringeln, das ringförmige Übereinanderlegen der angetrockneten Torfstücke – so sah der Alltag der Moorbauern aus. Hatte der heiße Sommerwind die geringelten Soden nachgetrocknet, türmten die Torfstecher schließlich alles zu einem mehr als mannshohen Hümpel auf. Zwölf bis vierzehn Stundenwaren sie am Tag mit dieser Arbeit beschäftigt, weiß der ,,Zeitreiseführer". Heute würde man sagen ,,Guide“. Aber das will so gar nicht in diese geschichtsträchtige Kulisse passen. Neemodschen Kram, würde der plattdütsche Besucher denken, der jetzt tief eingetaucht ist in die Jahre ab 1847, als Moorbauer Hilken genau hier seine Hofstelle errichtet hatte. Nachdem Moorkommissar Jürgen Christian Findorff schon ab 1751 die Kolonisation des Moores angeschoben hatte. Es gibt einen Spruch über das Schicksal der Siedler: ,,Den Ersten sien Dood, den Teeeten sien Noot, den Drütten sien Broot". Hier erhält der Gast eine leise Ahnung davon. Landleben ist für manch einen heute wieder schick. Damals aber, sagt Fritz Metscher, bedeutete es ,,schwerste Handarbeit und ärmlichste Lebensbedingungen". Eine Plackerei war es, den mühselig gestochenen Torf mit dem Kahn nach Bremen zu schaffen, wo er als Heizmaterial willkommen war.

 Bis zuletzt blieb Augustendorf Nummer 11 in Familienbesitz. Als das alte Haus 1985 abgerissen werden sollte, erkannte die Gemeinde Gnarrenburg, welch Kleinod der Moorhof ist. Sie erwarb ihn und begann 1986 mit der Sanierung des Rauchhauses. Vier Jahre später wurde es eingeweiht. Fritz Metscher erinnert sich, dass der Heimatverein, der mit der Gemeinde einen Nutzungsvertrag geschlossen hatte, anfangs skeptisch war: ,,Wir glaubten, dass wir nicht viel Erfolg haben werden mit dem Konzept eines reinen Museums," Aber: ,,Es kam ganz anders." Rund 8000 Besucher pro fahr zählt der Heimatverein. ,,Sie kommen aus der gesamten Republik und aus dem Ausland", sagt Metscher stolz. Die Einträge im Gästebuch stammen von Besuchern aus Schweden, Polen und den USA. Dazwischen findet sich ein Eintrag mit japanischen Schriftzeichen. ,,Wir sind beeindruckt", heißt es oft. ,,Es ist toll, was man hier sehen konnte", schreibt eine junge Besucherin namens Merle. Vor allem der Steinbackofen, erzählt Fritz Metscher, sei für die Besucher ein ,,Highlight, weil sie den warmen Butterkuchenlieben, der hier gebacken wird.

Der Reiseführer zieht den Kopf ein, um durch eine niedrige Türöffnung ins nächste Zimmer zu kommen. Er klappt den Deckel einer großen Holztruhe auf und deutet auf ein verstecktes Fach am oberen Rand. ,,Auf die hohe Kante legen", sagt er. Hier hat der Spruch seine wortwörtliche Bedeutung. War etwas übrig in der Kasse der Moorbauern, kam es auf die hohe Kante. An dieser Stelle fällt der Blick auf die rußschwarze Wand. Hier war die offene Feuerstelle. ,,Der Rauch zog über die Diele und imprägnierte das auf dem Dachboden lagernde Korn", erzählt Fritz Metscher, der ebenso weiß, warum die Höfe in einer Ost-West-Richtung angelegt wurden: ,,Wenn aus Richtung Westen das Schietwetter kam mit Regen und Wind, wurde der Rauch durch die groode Dör nach draußen getrieben." Kam hingegen eisiger Wind aus dem Osten, prallte er zunächst einmal auf das Vieh und war somit schon mit etwas Wärme angereichert, bevor er in die Wohnstuben drang.

Öffnungszeiten

Der Historische Moorhof in Gnarrenburg, Augustendorf 11, ist sonntags von 14 bis 18 Uhr für Besucher geöffnet, bei Maskenpflicht und Sicherheitsabstand. Gruppenführungen sind auch wieder möglich. Nähere Information gibt es unter den Telefonnummern 04763 / 8646 und 04763 / 62220 sowie über die Internetseite www.touristik-gnarrenburg.de. Der Historische Moorhof Augustendorf liegt im Landkreis Rotenburg zwischen Bremen und Hamburg in der Gemeinde Gnarrenburg. In der Umgebung gibt es zudem einen Moorerlebnispfad und einen Moorlehrpfad. (Weser-Kurier)


23.06.2020:  Das Jagdflugzeug im Huvenhoopssee

Am Ende des 2. Weltkrieges, am 12. Oktober 1944, wurde bei heftigen Luftkämpfen ein deutsches Jagdflugzeug über dem Huvenhoopsmoor in Augustendorf abgeschossen. Es stürzte in den gleichnamigen See. Seitdem ranken sich Spekulationen und Geschichten um den Absturz. Aufgeklärt wurde das tragische Geschehen jedoch nie. Fritz Metscher als Dorfchronist für Augustendorf hat es sich auf die Fahne geschrieben, das Geheimnis zu lüften. Gibt es Zeitzeugen oder überlieferte Aussagen, die zur Klärung beitragen können? Wer über Informationen über das Ereignis verfügt, sollte sich mit Fritz Metscher (0 47 63-74 41) in Verbindung setzen. Im so genannten Verlandungsgürtel am Ufersaum des Huvenhoopsees (Pfeil) wird in südwestlicher Richtung das Flugzeugwrack vermutet. (bz) Foto: Schmidt


23.05.2020:   Familie Gans beim Moorausflug

Das hier ist keineswegs ein verspäteter „Vatertagsausflug“. Unser Leser Karl-Heinz Metscher dokumentierte vielmehr einen Moor-Spaziergang von „Familie Gans“ auf einer Wiese zwischen Augustendorf und Forstort-Anfang. „Auch in Corona-Zeiten bin ich mit der Kamera unterwegs, aber meistens brauche ich ja auch nicht weit zu laufen, um ein Motiv zu finden“, schrieb uns Metscher, der die Redaktion der BZ schon mehrfach mit seinen gelungenen Naturfotos erfreut hat. Diese fotogene Graugans-Familie spazierte kürzlich über seine Wiese. Natürlich – wie es sich gehört – im „Gänsemarsch“. (ts)