Die schweren Anfänge

von Rainer Brandt

a) Schwerer Anfang

Die Augustendorfer Schulchronik lautet hierzu:
„Die Ansiedlung war besonders hier so schwierig und mühevoll, daß viele Plätze lange keine Liebhaber fand. Andere Plätze wurden wieder verlassen, weil die Leute versagten“. Die erste Beschreibung stimmt nicht, denn stets waren ausreichend Bewerber für die Augustendorfer Stellen vorhanden. Die zweite Mutmaßungen stimmt sicherlich, denn in den ersten Jahren war ein häufiger Wechsel auf verschiedenen Stellen vorhanden.
„Die ganze angebotene Fläche bildete einen fast unzugänglichen Sumpf. Es fehlte an Grüppen und Gräben. Der einzige Graben war der schon erwähnte Graben vom Huvenhoopssee.“
Damit war ein kleiner Abzugsgraben vom See zum Oste-Hamme-Kanal gemeint, der allerdings zur wirksamen Entwässerung nicht in der Lage war. So fingen die Ansiedler mühsam mit der Entwässerung der Anbaustellen an, indem sie kleine Gräben, sogenannte Grüppen schufen.
Die Besiedlung Augustendorf erfolgte in Hütten oder kleinen Wohnhäusern, da das Moor garnicht in der Lage war größere Bauwerke zu tragen.

Die Hütten, auch Spannhütten genannt, waren primitive und ungesunde Einraumhütten, aus denen der Rauch der Feuerstelle nicht entweichen konnte. Dem damaligen Augustendorfer Lehrer Pein erzählte vor der vorletzten Jahrhundertwende eine alte Mitbewohnerin:
„Unsere Wohnung war eine Erdhütte der einfachsten Art. Meine Eltern holten aus Langenhausen von der Wellbrock’schen Stelle 14 Birkenbäume pflanzten dieselben mit den Wurzeln in die Erde, biegten die Zweige oben zusammen und bedeckten die Stämme mit Erde, Plaggen und Heide. Als durch einen Gewitterregen die Decke von der Hütte herunter gespült war, wohnten wir in einer Erdhöhle, in welcher fast immer Wasser stand. Besser hatten es unsere Nachbarn auch nicht.“

Auf der Moorkonferenz 1829 in Ottersberg berichtete Moorkommissar Witte über den Fortgang in Augustendorf, daß drei Wohnhäusern (Joachim Eckhof, Johann Hinrich König und Altenteiler Cordes) errichtet worden waren. Hingegen hatten Johann Diedrich Brandt und Friedrich Janning jeweils eine Spannhütte erbaut.
Eckhof und Brandt hatten sich im Vorjahr also 1828 ihre Unterkunft erbaut, also dem Jahr der Augustendorfer Besiedlung.

So bauten die ersten Siedler teilweise niedrige mit Heide bedeckte Hütten, deren Dachwände zeltartig bis zur Erde reichten. Man betrat die Hütte von Osten durch eine roh gezimmerte Brettertür. Ein kleines Fenster in der Westwand ließ nur ein paar kümmerliche Lichtstrahlen eindringen. Den einzigen, rechteckigen Raum bewohnten die Menschen gemeinsam mit den Tieren, meistens einige Hühner und eine Ziege, die ihren Stall an der Seite hatte. In der Nähe war Platz für die Torfspaten, die Schiebkarre, eine hölzerne Egge und andere wenige Gerätschaften. Die Milchziege, die „Kuh des Moores“, mußte sich im Sommer mit Heide und Moorgräser als Futter begnügen; lediglich im Winter wurde etwas Heu zugefüttert. Im hinteren Teil der Spannhütte zeigte eine mit Heide gefüllte Bettkiste die Schlafstätte an; während daneben einige Steine die Herdstelle darstellten. Eine Uhr stellte einen unvorstellbaren Luxus dar und so weckte die Sonne die hart arbeitenden und lebenden Siedler und begleitete sie abends totmüde in die Schlafstelle.

Es fällt nicht schwer, sich die Härte dieser Lebensbedingungen vorzustellen, mit einer extrem hohen Kindersterblichkeit. Wo die Bodenverhältnisse in Augustendorf und die Vermögenslage der Siedler es zuließen, wurden gleich kleine Wohnhäuser mit Lehmdiele und dem Flett, welches durch eine Wand von den Dönzen und den Butzen getrennt war. Die Häuser waren aus Fachwerk und hatten in Richtung Hauptdamm ihre Stallungen (!). Um die Dönzen freundlich und fußwarm zu gestalten bestreue man den Holzfußboden regelmäßig mit feinem Sand von der Geest. Die Butzen waren die Schlafräume und ließen sich durch zweiflügelige Schiebetüren tagsüber schließen. Die Küche mit dem offenen Flettfeuer befand sich am Ende der Stallungen vor dem Wohnteil. Der Torfrauch stieg frei unterm Dach hoch und zog durch die Grotdör und das Uhlenloch ins Freie. Zum Haus gab es zwei Eingänge und zwar die Grotdör und von der Seite die Blangendör.

Soviel zu den baulichen Gegebenheiten im Augustendorf der ersten Jahre und der Verdeutlichung der schweren Anfänge im Dorf.
Die Entwicklung wird von den „Tabellarischen Nachrichten von Zustände der Moorkultur in nachbenannten neun Ämtern des Herzogsthums Bremen 1826“ (Nds. StA, Rep 80, Wb, Tit. 340, Nr. 28) gekennzeichnet in der Augustendorf noch garnicht existiert. In der „Übersicht des Cultur-Zustandes in den herrschaftlichen Moor-Colonien des Landdrostey-Bezirks Stade im Jahre 1830“ (Nds. StA, Rep 8, Tit. 340, Nr. 28 a) zeigt sich das

Augustendorf mit

4 Häusern und
3 Hütten „bebauet“ ist

und von den

40 geplanten
13 Feuerstellen „besetzt aber unbebauet“.

So war die Anzahl der Häuser und der Spannhütten innerhalb eines Jahres gestiegen.

7 Männer
7 Frauen
23 Kinder
3 Altenteiler
also 40 Personen

machte die Bevölkerung in Augustendorf zu dieser Zeit aus. Und weiter aufwärts ging - trotz harter und widriger Bedingungen – die Entwicklung des Dorfes. In der Übersicht des Cultur-Zustandes 1834 wurde für Augustendorf bereits

12 Häuser
8 Hütten
20 „Feuerstelle besetzt, aber unbebauet“ aufgeführt

und an Bevölkerung

20 Männer
20 Frauen
68 Kinder
3 Altenteiler
also 101 Personen insgesamt im Dorf.

Es ging also langsam aber stetig voran mit der Besiedlung Augustendorf, aber wovon und wie lebten eigentlich die Menschen in dieser Anfangsphase. Auch wenn noch 20 Jahre nach der Dorfgründung, im Jahre 1848, nach einer Aufstellung des Vogtes Mahler vom 2. März 1848 (Nds. StA, Rep 74 BRV, Dom, F 2, Nr. 18) noch folgende Stellen mit Hütten bebaut waren

Nr. 7 Johann Busch
Nr. 27 Peter Ehlers
Nr. 15 Johann Haltermann und
Nr. 18 Paul Appel

 

b) Wovon nur leben?

„Die Hauptbeschäftigung war anfangs Torfstich. Weil es aber in den ersten Jahre hier gänzlich an Abzug fehlte, war die Torfgewinnung mit großen Schwierigkeiten verbunden. Auch fehlte es den Ansiedlern an den nötigen Verkehrswegen um den Torf absetzen zu können. Dies sind die Hauptgründe, warum es den Leuten hier in der ersten Zeit so trübselig ging. Im Sommer war es ihnen eben möglich, so viel zu verdienen, als sie zu ihrem körperlichen Unterhalte nötig hatten. Im Winter dagegen fehlte es ihnen an jeder Beschäftigung und somit an Verdienst.........
Außer mit Torfgraben fing man auch nach und nach an, sich mit Ackerbau zu beschäftigen. Um das Land ertragfähig zu machen, brannte man das Land und saete in die warme Asche das Korn, besonders Buchweizen hinein“ (Schulchronik Abschn. S. 5).

„Wovon nun leben?“ stellte sich die Frage für die ersten Siedler intensiv. Torf konnte zunächst wegen der fehlenden Absatz- und Transportmöglichkeiten in Augustendorf kaum abgebaut werden und an eigentlichen Ackerbau war auch zunächst nicht zu denken. Teilweise griff der Staat ein und Moorkommissar Witte beschäftigte die Augustendorfer mit Wege- und Grabenarbeiten, um ein wenig Bargeld in die Familien zu bringen. Und dann griff der Siedler außerdem eben zur sogenannten Brandkultur, um dem kargen Boden überhaupt Erträge abzuringen.

„wenn alle Welt sich des lieblichen Mais freut und jubelnd seine sonnigen Tage genießt, dann geschieht es nicht selten, daß sich unser blauer Himmel mit einem graugelben Nebel überzieht, daß die Sonne wie eine blutrote Kugel erscheint und endlich, wenn jener Nebel sich verdichtet, ganz unsichtbar wird. Alle Gegenstände, die uns umgeben, sind gelblich. Das kann doch kein Nebel sein, dem ein solcher verändert ja die Farbe der Gegenstände nicht. Was ist denn das?“

So könnte auch eine Frage aus einem Industrierevier unserer Tage lauten. In Wirklichkeit sind diese Zeilen rund 130 Jahre alt. Der Zeitgenosse kannte natürlich den Begriff der Umweltbelastung noch garnicht, daß was er späteren Generationen mit seinen Worten überlieferte, kommt dem heutigen Begriff ziemlich nahe.

Der graugelbe Nebel, der die Luft verpestete und „die Sonne zum Zürnen brachte“, war die Begleiterscheinung einer primitiven Kultivierungs-methode, mit der man die norddeutschen Hochmoore nutzbar machen wollte.

Das Verfahren war die bereits berühmte Moorbrandkultur. Es wurde bereits im 17. Jahrhundert in den Niederlanden entwickelt und breitete sich von dort zunächst in Ostfriesland und Oldenburg, später auch im Gebiet zwischen Weser und Elbe aus.

Die ersten Kolonisten, die sich in den unberührten Gegenden eine Existenz aufbauen wollten, zogen flache Gräben, um die Oberfläche eines abgesteckten Feldes auszutrocknen. Im Herbst wurde der Boden mit einer Hacke bearbeitet, gepflügt und geeggt. Die aufgelockerten und im Winter gut durch gefrorenen Flächen wurden im späten Frühjahr in Brand gesetzt, in einer Pfanne trug man glühende Kohlen ins Freie und verteilte mit Schaufeln die Glut. Der Wind trieb dann das Feuer über das ganze Feld. In die zurückbleibende warme Asche wurde Buchweizen gesät, der im günstigen Fall nach etwa drei Monaten eine reiche Ernte einbrachte. Allerdings haben die im Moor häufigen Nachtfröste den ganzen Segen oft mit einem Schlage vernichtet. So wissen wir aus alten Chroniken, daß die Jahre 1828, 1829 und 1830 sehr naß waren, daß „von Heu und Kornfrüchten vieles verdarb und vieles feucht zu Hause kam. Nachdem im April 1831 sehr warmes Wetter war und bis zu einer Hitze stieg, machte sich der Mai so unfreundlich, daß in der Nacht 14./15. Mai ein starker Frost eintrat, wodurch viele Gartenfrüchte, die wegen der bisherigen Wärme schon sehr weit gediehen waren und selbst der Roggen, der schon in Blüte stand, größtenteils erfror. Im Juni erfolgte ein Hagelschlag, wodurch gleichfalls ein großer Schaden verursacht wurde.“
Ähnliches berichtete die „Hadeler Chronik“, in der es zum 16. Juni 1831 heißt: „Ein schwerer Hagelschlag zerstörte eine vielversprechende Saat. Das Unglück des Landes das durch teilweise Mißernten der Jahre 1829 und 1830 und durch die Sturmflut im Jahre 1825 und deren Nachwirkungen schon entstanden war, steigerte sich noch.“

Neben der starken Witterungsabhänigkeit zeigte sich ein anderer, verhängnisvoller Nachteil dieses Verfahrens erst nach einigen Jahren. Nach mehrmaligem Abbrennen und guten Ernten war der Boden derartig erschöpft, daß er nichts mehr hergab und sich in vegetationloses „Pulvermoor“ verwandelte. Erst nach einer etwa 15jährigen Ruhezeit bildete sich eine neue Bodenschicht, die erneut abgebrannt werden konnte.
Die dichten grauen Rauchschwaden, die im Frühjahr aus den norddeutschen Mooren aufstiegen, belästigten nicht nur die Bewohner der nahen Umgebung, sondern weit darüber hinaus.

Anfang Mai 1857 setzten die Siedler in Norddeutschland ihre Flächen fast überall gleichzeitig und bei anhaltenden nordöstlichen Winden in Brand. Die mächtigen Qualmwolken bildeten in den höheren Luftschichten eine derart dichte Rauchmasse, daß im benachbarten Holland die Sonne tagelang nicht zu sehen war. Um die Mitte des Monats schwenkte der Moorrauch bei Nordwestwind nach Deutschland zurück, erreichte Köln, Bonn und Frankfurt und drang am 17. Mai bis Wien und Krakau vor. Also Grüße von Augustendorf nach Krakau! Aber alle Mühe stand unter dem hohen Risiko der Witterung, mit der die Ernte stand oder fiel. So verdarben spätere Nachtfröste leicht die Blüte des Buchweizen und riefen eine schmerzliche Mißernte hervor. Mit Recht prägte der Volksmund daher den Spruch:

„Bookweten is’n Slumpkorn
Wenn’s mitsleiht n‘ Plumpkorn“

Aber mangels Alternativen durch den Mangel an Anbauflächen und Dünger blieb der Buchweizen noch einige Jahrzehnte nach der Gründung Augustendorfs Hauptnahrungsmittel der Bewohner. Selbst wenn die ersten Siedler im Nebenerwerb schon gelegentlich Handwerksberufe wie Zimmermann oder Schumacher ausübten. Oftmals wurden auch Reisigbesen gebunden und auf den Märkten in Gnarrenburg und Bremervörde verkauft um mit dem Erlös einige Lebensmittel mit in das heimische Dorf zu nehmen.

 

c) Langsam ging’s voran

Trotz vieler Rückschläge durch Mißernten und vielfältiger, enormer Anfangsprobleme der Gründungssiedler, ging es in Augustendorf langsam aber stetig bergauf. So schrieb am 10. April 1829 die Landdrostei an Witte:
„Da allem Anschein nach die vorerst neu angesetzten 10 (Anm.: darüber:12) Colonisten zu Augustendorf ihr gutes Fortkommen finden....“ (KA. BRV, Amt BRV, Nr. 445-2) und die Landdrostei beurteilte am 19. 7. 1829 die Entwicklung sogar mit „günstigen Aussichten eines glücklichen Erfolges“.

Zeugnis über den merklichen Fortschritt legt der Vortrag des „Commisairs“ Witte auf der Moorkonferenz in Osterholz am 13. Juli 1831 ab. Hier werden die staatlichen Hilfen und Erwerbsmöglichkeiten für die Augustendorfer während der Anfangsjahre (und besonders bei schlechter Witterung) deutlich. Aber auch der Fleiß, mit welchem der Hauptabzugsgraben und die Dämme hergerichtet bzw. verbessert wurde.

„Nachdem den Colonisten Augustendorf, Amts Bremervörde, durch Fürsorge königlicher Landdrostei und durch tätige Mitwirkung des königlichen Amtes die Subsistenzmittel während des vergangenen Winters, theils durch außerordentliche Erwerbsgelegenheit, theils durch Eröffnung besonderen Credits, durch Herbeyschaffung von Kornvorräthen gewährt worden sind, geben die diesjährigen Aussichten begründete Hoffnung auf selbstzuerntende Versorgung. Hat auch am Winterroggen nur wenig gebaut werden können und war auch in diesem Frühjahr die Bestellung von Sommerfrucht beschränkt durch nicht reichliches Saatkorn, so ist dennoch eine viel günstigere Erndte als im vergangenen Jahre zu erwarten.
Die Kulturanlagen in Augustendorf sind merklich erweitert. Es ist der Hauptabzugsgraben der Colonie und Zuleitungsgraben für die Oste-Hamme-Fahrt vom Huvenhoopsee bis Langenhausen in seiner ganzen Länge erweitert und vertieft und sind die beiderseitigen Dämme so wie deren Seitengräben nachgearbeitet worden....“

Insgesamt ist der Fortschritt in der Landwirtschaft auch aus den Übersichten des „Moor-Zustandes“ zu entnehmen. Während die Tabelle 1830

0 Morgen Saatland
4 Stück Hornvieh und
0 Stück Schafe

für Augustendorf auswies, waren es in der Tabelle des Jahres 1834

17 Morgen Saatland
36 Obstbäume
16 Stück Hornvieh und
4 Schafe.

Einen erheblichen Entwicklungsschritt machte die Landwirtschaft in den nächsten 15 Jahren.
Nämlich die Tabelle aus dem Jahr 1849 weist

80 Morgen Saatland in Dung
240 Morgen Saatland in Brand
36 Obstbäume
1 Pferd 69 Stück Hornvieh und
210 Schafe

für Augustendorfs Anbauern aus. Es ging also langsam voran!

 

d) Die „älteren“ 12 Anbauern

Die Besiedlung Augustendorf vollzog sich keinesfalls in einem Schritt, sondern in mehreren Abschnitten. Bereits erwähnt wurde, daß die ersten

10 Anbauern

am 19. 7. 1827 genehmigt wurden. Hinzu kamen wenige Monate später

2 weitere Anbauern,

die jedoch zusammen in den alten Akten als die 12 „älteren“ Anbauern bezeichnet wurden. Den Anbauplan Augustendorf geht aus einer Ausführung (vermutlich) Witte’s hervor (Nds. StA. Stade, Rep. 74 BRV, Reg. 121, Nr. 20) in dem dann am 23. Dezember 1829 die Nr. 13 bis 20 aufgeführt werden. Während die restlichen 20 Anbaustellen 1832 genehmigt wurden.

Zurück zu den ersten 12 Anbauern, die in der Akte Nds. StA. Rep. 74 BRV, Dom. F. 2, Nr. 18 erstmals 1847 mit der Nr. des Hofes in Zusammenhang aufgeführt wurden:

Nr. 1 Johann Peter König
Nr. 2 Jacob Riggers
Nr. 3 Paul Eckhoff sen.
Nr. 4 Gerdt Eckhoff jun.
Nr. 5 Johann Friedrich Janning
Nr. 6 Peter Dammann
Nr. 7 Johann Busch
Nr. 8 Diedrich Stelling
Nr. 9 Johann Brodtmann
Nr. 10 Claus Geestmann
Nr. 11 Johann Hilcken
Nr. 12 Johann Cordes

die in der Zeit zwischen 10 bis 18 Morgen Saatland in Kultur hatten.

 

e) Die „mittleren“ Anbauern

Der Fortgang des Anbaues geriet aus verschiedenen Gründen mehrfach ins Stocken, denn die königliche Domänenkammer in Hannover riet wegen einiger mißglückten Anbaue an anderer Stelle im Königreich zur Zurückhaltung. Wegen der Kosten ergriff aber dennoch die Landdrostei am 10. April 1829 gegenüber Witte die Initiative zum Fortgang des Anbaues Augustendorf nach dessen Bebauungsplan und bat um bevorzugte Behandlung der „beiden Häuslinge zu Tüschendorf Gerd Meyer und Dierk Gefken aus Tüschendorf“. Witte versuchte mit Nachdruck für den Fortgang Augustendorfs zu intervenieren, aber nur mit teilweisem Erfolg. Die Landdrostei schrieb am 19. 7. 1829 nämlich an das Amt, daß keinesfalls bereits 40 Anbaustellen zu genehmigen seien, sondern zu den bereits vorhandenen 12 Anbauern noch 8 anzusetzen, mithin die Zahl für jetzt auf 20 zu reduzieren.

Witte plädierte dann für einen Kompromiß am 3. Oktober 1829, indem er wenigstens 18 neue Anbauern statt der bewilligten 8 zu genehmigen, um die Last der anstehenden Erschließungsarbeiten an Kanälen, Gräben und Dämmen auf mehr Arbeitskräfte verteilen zu können. Das Ergebnis ist bekannt, denn es blieb bei 8 Anbauern im 2. Siedlungsschritt. So wurden als erste Bewerber Gerd Meyer und Dierk Gefken am 23. Dezember 1829 („ morgen 10 Uhr“) auf Bremervörder Amt zur Entgegennahme der Bedingungen bestellt.

Am 12. Dezember 1929 schrieb Witte, daß doch die Baustelle Nr. 20 in Augustendorf zur Schulstelle „reservieren zu wollen und dagegen Nr. 21 in Loos treten zu lassen“. So geschah es und am 12. Dezember 1829 wurde an

Nr. 13 Jürgen Stelljes
Nr. 14 Hinrich Kück
Nr. 15 Hermann Lütjen
Nr. 16 Gert Meyer
Nr. 17 Hein Peter Dammann
Nr. 18 Harm Murken
Nr. 19 Johann Friedrich Heinsohn
Nr. 21 Dierk Gefken

verlost. Nach Andreas Stelljes „Familienbuch“ sind einige Siedler hinsichtlich ihrer ersten urkundlichen Erwähnung zuzuordnen

Jürgen Stelljes aus Findorf, 1832
Hinrich Kück aus Fünfhausen, 1832
Hein Peter Dammann aus Barkhausen, 1833 und
Dierk Gefken aus Tüschendorf, 1832.

So wurden die sogenannten „mittleren“ Anbauern im Jahre 1830 „angesetzt“ wie aus einer Aufstellung aus dem Jahr 1859 (Nds. StA. Hammer Rep. 74 BRV, Dom. F. 2, Nr. 180) hervorgeht.
Dort sind für

Nr. 13 Hinrich Kackmann
Nr. 14 Hinrich Katt
Nr. 15 Johann Haltermann
Nr. 16 Joachim Riggers
Nr. 17 Johann Kück
Nr. 18 Paul Appel
Nr. 19 Diedrich Tietjen
Nr. 20 Hinrich Duden

mit den „kultivierten“ Hofflächen aufgeführt.

 

f) Die „neuen“ 20 Anbaustellen

Im Jahre 1832 wurde die Besiedlung Augustendorf mit den restlichen 20 Anbaustellen vollendet, deren Besitzer in den alten Akten eigentlich die „neuen“ Anbauern genannt werden.

Moorkommissar Witte hatte sich bereits auf der Moorkonferenz 1831 für die vollständige Besiedlung eingesetzt, die Landdrostei hatte jedoch wegen der ungeklärten Rechtslage hinsichtlich der Bedingungen davon Abstand genommen.

Am 18. Februar 1832 schrieb die Landdrostei jedoch an das Amt Bremervörder und Witte: „wir beauftragen, demnach das königliche Amt und den Moorcommissair Witte zuforderst tüchtige Anbauern auszumitteln und bei uns für die Colonie Augustendorf in Vorschlag zu bringen.“
Und am 9. Juli 1832 wurden neuen 19 Anbauern genehmigt. Zu dieser Zeit waren die Stellen „bis Nr. 19 besetzt, Nr. 20 ist der Schulplatz, Nr. 21 an Diedrich Gefken später eingethan, 22 unbesetzt, 23 von Diedrich Brunkhorst in Besitz genommen.“ So eine Aufstellung des Vogtes Mahler aus Gnarrenburg. So wurde am 27. Juli 1832 die Auslosung der 19 vakanten Anbaustellen in Bremervörde vorgenommen, nachdem den Bewerbern die Bedingungen bekannt gemacht worden waren. Die Auslosung durch Amtmann von der Decken hatte folgendes Ergebnis:

Nr. 22 Hermann Grotheer
Nr. 23 Diedrich Brunkhorst (nicht mitgelost)
Nr. 24 Heinrich Schnackenberg
Nr. 25 Gevert Stelljes
Nr. 26 Harm Meyer
Nr. 27 Claus Borstelmann
Nr. 28 Carsten Tiedemann
Nr. 29 Johann Schütt
Nr. 30 Johann Aldag
Nr. 31 Jacob Thobaben
Nr. 32 Seba Heinsohn
Nr. 33 Claus Kück
Nr. 34 Johann Heinrich Meyer
Nr. 35 Peter Schumacher
Nr. 36 Hermann Schnackenberg
Nr. 37 Harm Gefken
Nr. 38 Peter Thobaben

aber die ausgelosten Bewerber konnten teilweise ihre Stellen nicht antreten, da das angegebene Vermögen nicht vorhanden war oder sie seit ihrer Bewerbung um einen Augustendorfer Anbauplatz verstorben waren. So wurden zunächst nur 16 Meierbriefe ausgefertigt und dann die restlichen 3 Anbaustellen am 24. September 1832 an die „Hauslinge P. Ehlers, Chr. Meyer und Johann Ravensburg zu Langenhausen“ übertragen.

So wurde in dieser Zeit die Augustendorfer Besiedlung abgeschlossen, aber der Landdrostei waren letztlich doch die Anbaustellen Nr. 39 und 40 zu nahe am Huvenhoopsee abgesteckt worden. So mußten Johann Ravensburg und Christian Meyer ihre ursprünglichen Stellen wieder zurückgeben und ihnen wurden „in dem herrschaftlichen Moor zwischen Klenkendorf und Augustendorf unmittelbar an der Augustendorfer Grenze“ jeweils 60 Morgen als Anbaustellen vertraglich übertragen.

Von den ausgelosten Anbauern haben einige ihre Stellen offenbar nicht angetreten, während andere Familien familiengeschichtlich von Anfang an nachgewiesen sind ( z.B. Katt), aber in den Listen nicht nachzuweisen sind. Nach A. Stelljes stellen sich die nachgewiesenen Anbauern der 2. Hälfte des Dorfes folgendermaßen dar:

Nr. 22 Hermann Grotheer (Teufelsmoor, 1833 erstmals erwähnt)
Nr. 23 Dierk Brunkhorst (Friedrichsdorf, 1835)
Nr. 24 Heinrich Schnackenberg (Findorf, 1835)
Nr. 25 Hinrich Grotheer (Teufelsmoor ?)
Nr. 26 Harm Meyer (Findorf, 1835)
Nr. 27 Peter Ehlers (Langenhausen, 1833)
Nr. 28 Diedrich Böttjer (Grasberg, 1848)
Nr. 29 Johann Schütt (Kolheim, 1834)
Nr. 30 Albert Schröder (Seehausen, 1837)
Nr. 31 Albert Hillmann (Trupermoor, 1835)
Nr. 32 Johann Metscher (Schrötersdorf, 1849)
Nr. 33 Claus Kück (Findorf, 1835)
Nr. 34 Lüer Hillmann (Trupermoor, 1837)
Nr. 35 Witwe Schumacher (Mehedorf, 1834)
Nr. 36 Heinrich Schnackenberg (Findorf, 1835)
Nr. 37 Harm Gefken (Seehausen, 1834)
Nr. 38 Christoph Bargmann (Kolheim, 1837)
Nr. 39 Peter Peper (Lavenstedt ?)
Nr. 40 Christian Meyer (Langenhausen, 1834)

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